Über mich

Autorenbeschreibung | Glückssträhnen

Mein Name ist Julia und ich habe Haarausfall. Wir sind hier zwar nicht bei einem Treffen der anonymen Alkoholiker, dieses „Geständnis“ ist jedoch für die meisten ebenso unangenehm wie eine Alkoholsucht.

Haarausfall ist ein Tabuthema – vor allem, wenn er (junge) Frauen betrifft.

Mich hat er heimgesucht, als ich gerade 15 Jahre alt geworden war – das perfekte Alter für so eine Entdeckung! Mitten in der Pubertät beschäftigte ich mich statt mit Make-up und Jungs vor allem mit meinem schwindenden Haupthaar. Damals fand ich das so gar nicht witzig, es war eher zum Verzweifeln. Monatelang rannte ich von einem Arzt zum nächsten, im ersten Schritt, um überhaupt zu erfahren, warum mir meine Haare ausfielen. Nach etlichen Tests erhielt ich dann meine Diagnose: Androgenetische Alopezie! Auf der einen Seite war das eine Erleichterung, denn wenn man der „Krankheit“ einen Namen geben kann, gibt es auch eine „Heilung“ – zumindest in der Theorie.

Pille statt Peroxid – Medikamente gegen Haarausfall

Die Realität sah ein wenig anders aus. Mit etwa 16 Jahren wurde mir die Diane35 verschrieben – eine Antibabypille, die nicht zur Verhütung, sondern nur zur Behandlung von Haarausfall und Akne zugelassen ist. Dazu kamen noch Antiandrogene, die das Testosteron in meinem Körper verdrängen sollten, damit es nicht an meine mimosenhaften Haarwurzeln gelangen konnten. Diesen sehr starken Hormonmix nahm ich einige Jahre zu mir – bis in meine Zwanziger hinein. Der Erfolg der Behandlung war leider mäßig. Mein Haarausfall wurde weitgehend gestoppt, doch volleres Haar bekam ich dadurch nicht. So entschied ich mich, auf Minoxidil umzusteigen. Davon wuchsen mir tatsächlich neue Haare – doch nur so lange, wie ich das Medikament jeden Morgen auftrug. Nach einiger Zeit hatte ich dieses Pflegeregiment jedoch satt, denn es bedeutete, dass ich mir jede Nacht um 4 Uhr einen Wecker stellen musste, das Minoxidil auftragen und dann wieder ins Bett gehen konnte. Nach dem Auftragen dürfen die Haare nämlich für einige Stunden nicht gewaschen werden, da dies sonst die Wirkung einschränkt. Dass ich damit aussah, wie wie ein schmieriger Mafioso aus den 80ern stand nicht im Beipackzettel.

Haarersatz mit 20 – sexy geht anders

Es dauerte nicht mehr lang, da hatte ich auch von Minoxidil die Nase voll. Mit 21 Jahren entschied ich mich für Haarersatz. Allein die Bezeichnung ist schon so unsexy – kein Wunder, dass ich mich damals auch genau so fühlte. Wer möchte schon mit Anfang zwanzig ein Toupet?! Aber ich hatte keine Wahl, entweder fremdes Haar oder gar kein Haar. Dieser Gang in das Zweithaarstudio in meiner Heimatstadt bildete den Startschuss für eine Haarersatz-Karriere, die nun schon 12 Jahre andauert. Seitdem bin ich nie wieder ohne fremdes Haar vor die Tür gegangen (es gibt eine Ausnahme, dazu später mehr). Was ich dort bekam war ein sogenanntes Zweithaarsystem. Echtes Haar wird auf eine Art Netz geknüpft und dieses Netz wird mittels Bondings am restlichen Eigenhaar befestigt. Nun, komplett glücklich war ich damit nicht, denn gerade in der Anfangszeit wirkte diese Lösung doch sehr unnatürlich. Über die Jahre – 12 an der Zahl – fand ich aber Mittel und Wege, meine „alternativen“ Haare mehr  zu meinem eigenen Haar zu machen. Ich wurde immer besser darin, die Schwachstellen zu verbergen und das Haarteil natürlicher wirken zu lassen. Die komischen Blicke fremder Leute wurden immer weniger – dennoch hatte ich immer große Sorgen, dass ES jemandem auffallen würde.

Coming out – zum Haarausfall stehen lernen

All diese Jahre verband ich vor allem negative Gefühle mit meinem Haarausfall. Scham, Unsicherheit, Selbstmitleid, Verzweiflung – das waren meine täglichen Begleiter. Ich fühlte mich seit der Pubertät wie ein Mängelexemplar und dank des Haarersatzes auch wie eine Mogelpackung. Ich lebte in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Bloßgestellt zu werden. Abgewiesen zu werden. Es dauerte genau 12 Jahre, bis ich aus diesen Gefühlen endlich ausbrechen konnte. Der Grund für diese innere Wandlung lag überraschenderweise im Äußeren. Ich entdeckte eine andere Form des Haarersatzes, mit dem ich endlich normal aussehen konnte. Und WEIL ich nun mein Aussehen mochte, konnte ich plötzlich auch öffentlich zu meinen „Unzulänglichkeiten“ stehen. Was ich in dieser ganzen Zeit über Haare, über den Umgang mit Haarausfall und über Haarersatz gelernt habe, möchte ich hier an andere Betroffene weitergeben. Ich weiß, wie groß die Verzweiflung sein kann, wenn man immer mehr Haare in Bürste, auf dem Boden und in der Dusche findet, aber immer weniger Haare auf dem Kopf bleiben. Ich möchte anderen Betroffenen zeigen, dass es tolle Alternativen gibt, mit denen man ein Leben mit Haarpracht führen kann – auch wenn es nicht die eigene ist.

Glückssträhnen – meine eigene Haarteil-Linie

Über die Jahre habe ich viele Erfahrungen mit Haarersatz aus deutschen Studios gemacht – mehrheitlich waren sie negativ und vor allem eins: teuer. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, Haarteile im Ausland zu bestellen – allerdings ohne Beratung und mit einer gehörigen Portion Glück.

Einige Zeit später reifte jedoch der Gedanke in mir, dafür zu sorgen, dass es diesen Haarersatz auch in Deutschland gibt. Dass auch Frauen, die noch nicht viel über Haarteile und Perücken wissen oder nicht im Ausland bestellen möchten/können, qualitativ hochwertigen Haarersatz erhalten. Nach einigen Monaten intensiver Recherche gründete ich also meine eigene Haarersatz-Linie mit dem passenden Namen: Glückssträhnen.

Wenn du mehr über Glückssträhnen erfahren möchtest, schau gern hier oder bei meinen FAQs vorbei. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern und hoffe, dass dir die hier gesammelten Informationen auf deinem Weg helfen können.