Frau ohne Haarteil versus Frau mit Haarteil

Haarausfall bei Frauen stoppen: Geht das überhaupt? 4.89/5 (9)

Haarausfall ist ja per se ein belastendes Thema – wenn er jedoch bei (jungen) Frauen auftritt, ist die Verzweiflung meist noch stärker als bei Männern. Attraktivität bei Frauen wird gesellschaftlich so sehr über volles, gesundes und schönes Haar definiert, sodass es im ersten Moment so aussieht, als würde uns ein wichtiges Stück Weiblichkeit gestohlen. Wie auch in vielen anderen Bereichen – Gewicht, Körperform, Hautalterung – werden wir von der Werbung und den Medien so mit perfekt frisierten und behaarten (aber bitte nur an den richtigen Stellen) Frauen zugeschüttet, dass es schwer ist, sich mit schütterem Haar oder Glatze wohl zu fühlen.

Natürlich suchen Frauen mit Haarausfall gerade in der Anfangszeit nach einer Ursache und einer Heilung. Frau zieht von Arzt zu Arzt, lässt Blutbilder machen, um Nährstoffmangel auszuschließen und die Hormonwerte zu überprüfen. Lässt sich wertvolle Haare ausreißen, damit ein Trichogramm erstellt werden kann.

Die verzweifelte Suche nach einem Wundermittel gegen Haarausfall

So sehr Haarausfall auch die Psyche belastet, ein Notfall ist er nicht. Und das spürt frau auch, wenn sie den typischen Ärztemarathon durchläuft, um eine Erklärung und eine Lösung für ihr Problem zu finden. Die Diagnose für unspezifischen Haarausfall – also nicht Kreisrunder Haarausfall – ist schwierig und langwierig. Das Interesse der Ärzte daran, eine Lösung/Ursache zu finden, ist nach meiner Erfahrung nicht besonders hoch. So fühlt frau sich allein gelassen und hilflos. In diesem Stadium ist sie besonders anfällig für Werbeversprechen von (mehr oder minder) zwielichtigen Unternehmen, die Shampoo, Tinkturen oder Gadgets gegen Haarausfall verkaufen. Diese Firmen machen sich die Verzweiflung von Frauen zu Nutze, um ihnen teuren, wenn nicht sogar schädlichen Kram anzudrehen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man in dieser Anfangszeit – oder auch noch lange Zeit danach – sich nichts sehnlicher wünscht, als die alten Haare wieder zu bekommen.

Hormontherapie gegen genetisch-bedingten Haarausfall

Als ich meine Diagnose (Androgenetische Alopezie) erhielt, war ich bereit so gut wie alles zu nehmen, um den Haarausfall zu stoppen. Bei genetisch bedingtem Haarausfall wird häufig ein Hormonpräparat (die Pille) verschrieben und eventuell noch mit einem Anti-Androgen ergänzt. Letzeres soll die männlichen Sexualhormone (Androgene), die auch im weiblichen Körper zu einem geringen Anteil vorkommen, hemmen. Bei der Androgenetischen Alopezie reagieren die Haarfollikel nämlich empfindlich auf diese Androgene und fallen aus. Diese Kombination habe auch ich erhalten – mit gerade einmal 16 Jahren. Ich möchte nicht wissen, was ich meinem Körper damit angetan habe. Der Erfolg dieser Behandlung ließ bei mir leider zu wünschen übrig. Der Haarausfall wurde zwar verlangsamt, aber es erfolgte kein neues Haarwachstum. Nach etwa 7 Jahren hatte ich genug – die Resultate rechtfertigten schlichtweg die Belastung für meinen Körper nicht.

Der nächste Schritt: Minoxidil gegen Haarausfall bei Frauen

Minoxidil – ein Wässerchen zum Auftragen auf die Kopfhaut – wurde durch einen Zufall entdeckt. Ursprünglich wurde es im Einsatz gegen Bluthochdruck getestet – man stellte jedoch fest, dass die Probanden nach der Einnahme verstärkten Haarwuchs aufwiesen. Seitdem wird es bei Männern und Frauen zur Behandlung von genetisch-bedingtem Haarausfall eingesetzt. Nach Absetzen der Pille war meine Hoffnung groß, dass mir Minoxidil endlich meinen früheren Haarstatus zurückgeben würde oder zumindest mein Gesamtbild erheblich verbessern würde.

Eins kann ich sagen: Minoxidil hat bei mir dazu geführt, dass der Haarausfall gestoppt wurde und minimal mehr Haarwuchs erfolgte. Aber auch hier war mir der Preis dafür auf lange Sicht zu hoch. Nachdem die Tinktur in die Kopfhaut einmassiert wurde, dürfen die Haare für mehrere Stunden nicht gewaschen werden. Leider sah ich danach einfach furchtbar aus – die Haare kleben zusammen, was die Kopfhaut noch sichtbarer macht. Da ich so morgens nicht aus dem Haus wollte, bin ich jede Nacht zwischen 3 und 4 Uhr aufgestanden, um die Tinktur aufzutragen. Dann ging ich wieder schlafen und konnte mir um 7 Uhr morgens die Haare waschen und stylen. Das war mir schlichtweg zu aufwendig und den Effekt auf meinen Haarstatus nicht wert. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich für Haarersatz entschieden habe. In diesem Moment habe ich akzeptiert, dass kein Medikament der Welt mir meine alten Haare zurückgeben kann.

Das werdet ihr jetzt nicht hören wollen, das weiß ich. Gegen genetisch-bedingten Haarausfall gibt es kein wirksames Wundermittel. Sollte das also eure Diagnose sein, dann kann ich nur empfehlen, sich mit der Situation abzufinden und das Beste daraus zu machen. Ihr habt nur dieses eine Leben und es wird nicht besser, wenn ihr euch jeden Tag wünscht, ihr könntet euer altes Leben zurückhaben. Je eher man seine neue Situation akzeptiert, desto schneller kann man sich nach echten Lösungen umschauen. Wenn ihr euch bereits auf meinem Blog umgeschaut habt wisst ihr, dass diese Lösung für mich der Haarersatz ist. Kein Medikament konnte mir derart schöne Haare und so viel mehr Lebensfreude geben. Ob er das für euch auch schaffen kann, müsst ihr ausprobieren. Dafür müsst ihr euch aber zunächst auf den Gedanken einlassen, dass es keine “Heilung” für Haarausfall gibt. Akzeptanz ist der erste Schritt in die richtige Richtung!

Was tun bei Haarausfall ohne wirkliche Diagnose?

Schwierig ist es natürlich, wenn frau keine wirkliche Diagnose erhält. Wenn alle Blutwerte stimmen, kein Nährstoffmangel vorliegt, die Hormone in Ordnung sind … Meist wird der Haarausfall dann auf den Stress im Leben geschoben. Das ist natürlich super – denn der Fakt, dass euch die Haare ausfallen sorgt ja für Stress und das nicht zu knapp. Ich kann an dieser Situation auch nichts beschönigen – nicht zu wissen, warum einem die Haare ausgehen macht es noch schwieriger, den Haarausfall zu akzeptieren. Da meine Diagnose nach einigen Monaten feststand, habe ich aufgehört zu recherchieren, was man alles bei diffusem Haarausfall ohne konkreten Befund tun kann. Da sind andere Webseiten höchstwahrscheinlich eine bessere Informationsquelle.

Auf den Stress, der euch durch Haarausfall entsteht möchte ich jedoch kurz eingehen. Was mir am meisten zu schaffen gemacht hat, war die Furcht, dass ich für immer “entstellt” und “unattraktiv” sein würde (bitte behaltet im Hinterkopf, dass ich ein Teenager bzw. eine junge Frau in der Selbstfindungsphase war. Frau kann selbstverständlich auch ohne Haare attraktiv sein!). Mir hat es unglaublich geholfen als ich herausfand, dass ich mit Haarersatz eben nicht aussehe wie eine alte Oma, sondern dass es ganz natürliche und täuschend echte Optionen gibt. Wenn ihr also wisst, dass ihr – selbst wenn ihr sämtliche Haare verliert – trotzdem noch eine Wallemähne haben könnt, dann beruhigt das auf lange Sicht hoffentlich etwas.

Fazit: Fallt nicht auf Werbeversprechen herein!

Wundermittel gegen Haarausfall schießen wie Pilze aus dem Boden. Ich möchte natürlich nicht ausschließen, dass es in der Zukunft irgendwann einmal ein “Heilmittel” gibt. Bis dahin seid bitte extrem vorsichtig, wofür ihr euer Geld ausgebt. Haarausfall ist ein vielschichtiges Problem, das nicht einfach durch Biotin, Tinkturen oder Laserbehandlung geheilt werden kann. Schaltet trotz Verzweiflung euren gesunden Menschenverstand ein und betrachtet Haarwuchsmittel mit einer gehörigen Portion Skepsis!

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